SINZIG. Mal eine andere Form von Ausbildungstreff hat „Smarts-Up“ auf die Beine gestellt. „Mit Theater in die Ausbildung“ heißt der und 200 junge Menschen informierten sich dabei über zukunftsträchtige Berufsbilder.

 

„Mit Theater in die Ausbildung“, so lautete am Mittwoch das Motto des „Ausbildungstreffs 4.0“. Rund 200 junge Leute waren dem Aufruf „Bühne frei für den Wunschberuf“ gefolgt. Erfolgte die Premiere im vergangenen Jahr auf einem Schiff in Remagen unter dem Aspekt „Alles im Fluss“, so ging es diesmal mit der zweiten Kooperationsveranstaltung von „Smarts-Up“ im Haus der offenen Tür (HoT), dem Ausbildungsbeirat des Kreises, dem Jobcenter, der Bundesagentur für Arbeit und der Berufsbildenden Schule Bad Neuenahr-Ahrweiler in die Alte Druckerei in Sinzig.

Im „Smarts-Up“-Ausbildungsbeirat entstand die Idee, einmal neue Wege zu gehen, einen innovativen Ausbildungstreff zu initiieren. Er soll einerseits Schülern und Ausbildungsplatzsuchenden Infos zu Berufen mit guten Zukunftsaussichten bieten, andererseits aber auch Unternehmen, die händeringend nach Nachwuchs suchen, die Chance der Präsentation bieten. „Auch haben wir gesehen, dass viele Jugendliche zwar ihre Neigungen kennen, aber nicht so recht wissen, welche Berufe sie damit ergreifen können. Die Folge: Sie bewerben sich auf ein viel zu enges Berufsspektrum und bevorzugen Betriebe, deren Namen sie aus ihrem Alltag kennen“, so Petra Klein und Ulrike Michelt vom HoT.

Schirmherr Bürgermeister Andreas Geron hielt keine förmliche Begrüßungsrede, bat darum, die Handys wegzulegen: „Sie sind hier im 'real life'.“ Auf der Bühne „malte“ er dann ein Bild von einem Unternehmen und dessen Bausteinen in einem vorgegebenen Rahmen. Er fügte Mitarbeiter zum Produkt, den Controller zum Kunden, veränderte die Umstände und fügte beispielhaft einen neuen Kollegen hinzu. „Wenn alle Bausteine mitmachen, passt der Rahmen immer noch. Vielleicht habt ihr nach diesem Tag eine Idee, wie ihr hineinpasst“, so Geron.

Dann war die Theaterbühne für die Betriebe frei, um den jungen Leuten ein möglichst realistisches Bild vom Berufsalltag zu zeichnen. Die Chefin der Lohrsdorfer Spedition Dreimülller hatte beispielsweise einen jungen Fahrer mitgebracht. Er fährt Güter quer durch die Republik. Der junge Mann, der mit seiner Bewerbung auf Anhieb Glück hatte, verwunderte die Zuhörer damit, als er erzählte, dass die Firma ihm seinen Lkw-Führerschein bezahlt habe.

Da war aber auch Jantje-Mareen Monschau vom Bad Bodendorfer Familienunternehmen, das mit 300 Mitarbeitern für das Seniorenheim Maranatha und das Hotel-Restaurant „Maravilla“ verantwortlich zeichnet. „Derzeit haben wir elf neue Auszubildende. Wir bieten Lehren in den Berufen Restaurant- oder Hotelfachmann, Kaufmann, Koch, Altenpfleger oder Kosmetikerin an“, betont sie im GA-Gespräch. Ihr komme es nicht auf Noten, sondern auf Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit und Bereitschaft an. Und zu den jungen Leuten gewandt: „Bei uns sind Quereinsteiger willkommen und Sie können sich ganzjährig bewerben.“

„Ich arbeite ab sechs Uhr morgens und an jedem zweiten Wochenende“, so eine junge Altenpflegerin, die Thorsten Trütgen, Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim DRK-Kreisverband, mitgebracht hatte. „Wir brauchen die nötige Portion Geduld und stoßen auch körperlich oft an Grenzen. Aber die alten Leute geben einem viel zurück, wir sind teilweise für sie zur Familie geworden“, so die Auszubildende. Bevor die Jugendlichen der Aufforderung nachkamen, sich an den Ständen der zehn Betriebe zu informieren und sich eventuell sogar schon um ein Praktikum zu bewerben, füllte das Berliner Improvisationstheater Theatersport das Motto „Mit Theater in die Ausbildung“ mit Leben. Das Publikum steuerte „Der flexible Arzt“ bei und das Ensemble improvisierte, bis alle geheilt waren. Applaus brandete auf, als die Schauspieler „Arbeit im Hotel“ mit kurdischer Musik unterlegten.

Quelle: Bonner General-Anzeiger, 27.09.2018