Mit „Youthvoice“ die Stimme erheben

Motivierte, gebildete Jugendliche, die sich stundenlang über politische Themen die Köpfe heißdiskutieren, kreative Lösungen suchen und überlegen, wie sie sich für ihre Belange, ihre Stadt oder sogar für Europa einsetzen können – gibt es das noch? Offensichtlich schon. Denn dieses Szenario war jetzt in der Remagener Kulturwerkstatt zu erleben, wo sich rund 20 Schülervertreter des Kreises Ahrweiler und weitere interessierte Heranwachsende beim zweitägigen Auftaktprojekt des Sinziger Hauses der offenen Tür (HoT) unter dem Motto „Youthvoice – Deine Stimme zählt“ einfanden.

Das es jede Menge Spaß machen kann, sich einzubringen, war den Jugendlichen im ehemaligen Jugendheim Remagens deutlich anzumerken. Das Projekt will im Vorfeld der Kommunal- und Europawahlen Jugendliche aus allen Gebieten des Landkreises aktivieren, im Gespräch miteinander und mit Entscheidungsträgern ihre Themen und Anliegen zu formulieren und einen strukturierten Dialog zu finden. „Youthvoice“ wird vom HoT in Kooperation mit der Kommunikationsagentur brainfull von Franz-Josef Gemein in Remagen veranstaltet und gefördert über das Eu-Jugendprogramm „Jugend in Aktion“.

Motivierte junge Leute wollen Einfluss nehmen
„Mit der Unterstützung von Jugendpflegern am Ort und über unser neues Forum „Zukunftswerkstatt Schülersprecher“ haben wir sehr motivierte Leute gefunden, die sich unglaublich interessiert der Frage widmen, wie kommunalpolitische Gegebenheiten aussehen und welche Möglichkeiten sie haben, Einfluss zu nehmen“, sagte Sebastian Sikkes, der gemeinsam mit Patrick Book vom HoT die Projektleitung innehat. Hierzu erarbeiteten die jungen Leute in Gruppen viele Ideen, die sie in einer eigenen Stadtratssitzung vertreten mussten, deren gewählte Mitglieder Für und Wider der Vorschläge abzuwägen hatten. Sowohl was die Schlagabtausche, Formalien, Klüngeleien, aber auch sachliche Argumentationen angeht, waren Parallelen zu realen Stadtratssitzungen offenkundig, wie die Videopräsentation zeigten.

In einer öffentlichen Diskussion erörterten die Jugendlichen mit HoT-Vertretern, dem Koblenzer Jugendpfarrer Martin Laskewicz, Sinzigs Ortsvorsteherin Silvia Mühl und Christoph Scheurer als der Sprecher der Kreisstadtgrünen ihre Möglichkeiten etwas zu bewegen. „Man braucht Geduld und gute Argumente – meckern allein hilft nichts“ so Silvia Mühl. „ Auch ich erlebe es im kirchlichen Kontext durch alle Ebenen hindurch, dass es von vielen Faktoren abhängt, ob eine Sache wirklich gefördert oder vom Tisch gewischt wird“, so der Jugendpfarrer. „Wenn Sie schon mir Anträgen scheitern, welche Möglichkeit haben wir dann?“, fragte Alexander Schlegel in Richtung Scheuer und Mühl.

Interessen bündeln und Anliegen zielorientiert vorbringen
Als unabdingbar für einen konstruktiven Dialog mit den Jugendlichen kristallisierten sich folgende Grundvoraussetzungen heraus: Jugendliche, die ihre Interessen bündeln und Gruppen bilden, um ihre Anliegen vorzubringen, eine gute Vernetzung aller Beteiligten eines Themas und ein qualifiziertes personelles Angebot seitens der Jugendpflege, deren Präsenz in den Schulen ebenso wie von Entscheidungsträgern. Den Impuls gibt das neue HoT-Projekt, bei dem die jungen Leute sowohl Wahlkandidaten treffen, Jugendliche zum Thema Kommunalwahl und Europawahl befragen und deren Wünsche in einen Internetblog dokumentieren. „Im besten Fall entwickelt sich auch über die Wahlen hinaus eine Plattform, auf der sich die Politik ein Bild machen kann, was Jugendliche bewegt“, so Sikkes.

 Rhein-Zeitung, Donnerstag, 20. März 2014

Fotos

Leave a Reply

*

Next ArticleWir bewegen Teupin