Wir bewegen Teupin

Wenn man etwas bewegen möchte, dann ist es das Wichtigste, in einem Dialog mit den Entscheidungsträgern zu sein. Wie sich das anfühlt und was man dabei beachten muss, lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops in einem Planspiel.

Dabei wurden alle zu Bürgern der Phantasiestadt Teupin und bekamen eine Rolle zugeteilt.

  • Alex war Bürgermeister,
  • Andreas Ratsmitglied und Vertreter der Mehrheitsfraktion der Partei „Soziales Deutschland“.
  • Anna und Miriam vertraten die Fraktion der Grün Alternativen im Stadtrat.
  • Volker war das Ratsmitglied der Unternehmerpartei und
  • Michael stellte die Fraktion der Seniorenpartei.

Der Stadtrat der Stadt Teupin hatte beschlossen, ein Budget von 5.000,00 € für die Förderung eines ehrenamtlichen Projektes zur Verfügung zu stellen. Daraufhin hat die Bürgerversammlung die Förderkriterien festgelegt, nach denen der Rat nun darüber entscheiden sollte, welcher Verein für welches Projekt die Förderung erhält.

Ein spannendes Unternehmen, denn vier Vereine hatten bereits ihr Interesse bekundet.

  • Die Teupiner Sportjugend wurde durch Lea und Julian vertreten
  • Capele Teupina, die Musik-Jugendinitiative der Stadt wurde von Marie-Sofie und Florian vertreten.
  • Der Jugendclub Brücke , vertreten durch Phillip und Tobias
  • Furkan und Franziska setzten sich für den Jugendverein „Ja klar, Natur“ ein.

Es war nun ihre Aufgabe, innerhalb kürzester Zeit eine Projektidee zu entwickeln und so aufzubereiten, dass sie die Chance hatten, den Stadtrat von ihrem Vorhaben zu überzeugen.

Es wurde recherchiert, gerechnet, konzipiert und eine Präsentation zusammengestellt. Gut vorbereitet traten so die einzelnen Gruppen vor den Stadtrat, um für ihr Projekt zu werben.

Wie im richtigen Leben bekam jeder Teilnehmer einen Kurzlebenslauf. Hier wurden die einzelnen Interessen und verwandtschaftlichen Verflechtungen untereinander festgelegt. – Keine unwichtigen Informationen, wenn es um die Organisation von Mehrheiten geht.

Es galt zum einen, die Ratsmitglieder zu überzeugen. Aber auch die Ratsmitglieder mussten sich untereinander verständigen, um eine Mehrheit für das von ihnen favorisierte Projekt zu bilden. Denn die Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat waren nicht eindeutig. Koalitionen nicht vorgegeben.

Die Senioren Partei erreichte bei der letzten Kommunalwahl 22 Prozent der Stimmen. Die Unternehmer Partei war mit 20 Prozent in den Rat eingezogen und die Grüne Alternative erreichte 27 Prozent. Mit 31 Prozent stellte Soziales Deutschland die größte Fraktion und damit auch den Bürgermeister.

Medienvertreter beobachteten natürlich den Prozess der Mehrheitsfindung und begleitete die Entwicklung mit Interviews und Berichten. Patricia und Alona waren die Vertreter der Teupiner Rundschau.

Auf der entscheidenden Sitzung gibt die Ratsvorsitzende, Miriam, die Ergebnisse der letzten Ratssitzung bekannt. Zur Freude der Anwesenden verkündet sie den Beschluss, dass die Stadt nunmehr einen Jugendbeirat einrichtet. Dieser kann künftig die die Jugend betreffenden Beschlüsse eigenständig fassen – beraten wird der Beirat hierbei durch den Teupiner Bürgermeister. Der Beirat wird aus der Stadtkasse gefördert. Ortsansässige Betriebe und auch die Senioren fördern ebenfalls.

Als die Ratsvorsitzende Tagesordnungspunkt „Förderung eines Jugendprojektes“ einleitete, waren die Besucherstühle des Ratssaales bis auf den letzten Platz besetzt.

Nach und nach wurden die von den Vereinen erarbeiteten Projekte vorgestellt und von den Fraktionen bewertet.

Projekt 1 „72-Stundenaktion & Nachmittagsbetreuung“:

Durchaus positiv bewertet. Kritische Anmerkungen gab es zum nicht hinreichend differenzierten Finanzkonzept. Sowohl dem Bürgermeister wie auch den Vertreterinnen der Grünen schien die Langfristigkeit des Projektes nicht hinreichend gesichert.

Projekt 2 „Musik verbindet“:

Überraschend hatten sich hier zwei Vereine auf ein gemeinsames Projekt geeinigt. Musikfreunde und Jugendclub stellten einen gemeinsamen Antrag. Zwar wurde das Projekt von allen Beteiligten grundsätzlich positiv gewürdigt. Der Bürgermeister äußerte jedoch seine Besorgnis, dass die im Projekt vorgesehenen Konzerte reine „Feiertermine“ seien und damit dem Bildungsauftrag nicht gerecht würde. Die Vertreterin der Grünen begab sich hier in einen kurzen Schlagabtausch. Gerade er solle sich da nicht so haben – immerhin habe er Haschisch rauchende Verwandte. Er müsse wohl wissen, wie wichtig es sei „einfach mal abzufeiern“.

Projekt 3 „Nature for Future“:

Bei der Vorstellung dieses Projektes merkten die Ratsmitglieder kritisch an, dass der Auftrag nicht hinreichen exakt ausgefüllt sei. Das sei aber wichtig, so der Vertreter des Sozialen Deutschland: „frag mal Uli Hoenes“

Die Unternehmer kritisierten mangelnde Langfristigkeit des Projektes. Der Bürgermeister hielt dagegen, dass das Projekt wunderbar zur Förderung des städtischen Images beitragen könne. „Mangelnde Außenwirkung!“, so hieß die Reaktion der Unternehmer. Etwas mürrisch wurde Andreas, als Vertreter des Sozialen Deutschland. „Ausufernd“ sei die Diskussion und die Grünen sollten mal aufhören, den anderen Fraktionen vorschreiben zu wollen, was diese zu denken hätten. Er forderte eine straffere Sitzungsführung von der Ratsvorsitzenden ein.

Um zu einem schnelleren Ergebnis zu kommen, einigte der Rat sich darauf, in zwei Schritten vorzugehen. Zunächst wurde darüber abgestimmt, welche zwei Projekte in die Stichwahl kommen. Das Publikum wurde etwas ungeduldig.

In einer ersten Abstimmungsrunde konnte jedoch kein Projekt ausgesiebt werden.

Die zweite Abstimmungsrunde brachte dann klare Ergebnisse. 15,5 % der Ratsstimmen entfielen auf die Nachmittagsbetreuung und die 72-Stunden-Aktion.

Die Naturfreunde erreichten mit ihrer Idee das Wohlwollen von 27 % des Rates.

Mit 57,5 % erreichte das Gemeinschaftsprojekt des Jugendclubs und der Musikfreunde eine satte Mehrheit.

Die Enttäuschung der unterlegenen Vereine machte sich nach der Ratssitzung teils freundlich, teils unverhohlen Luft. Noch lange nach der Sitzung wurde über die Projekte diskutiert. Bisweilen mussten sich die Ratsmitglieder einige Beschimpfungen anhören. Hoffen wir, dass das obsiegende Projekt schnell greifen wird. „Musik verbindet“, so heißt es – und verbindendes kann Teupin nach den hitzigen Debatten wirklich gebrauchen.

Stimmen zum Planspiel:



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